Haltung und Zucht

Oft wurde ich in letzter Zeit gefragt, welche Haltungsbedingungen Deutsche Zwerglachshühner vorfinden müssen, um sich wohl zu fühlen. Hierüber habe ich mich sehr gefreut, zeigt es doch, dass sich die (zukünftigen) Halter dieser Rasse mit den Bedürfnissen der Hühner auseinander setzen und sie als vollwertige Lebewesen und nicht als Sache betrachten. Hieraus ergibt sich auch die Notwendigkeit, den Tieren neben Futter, Wasser, einer Behausung und Hygiene die Möglichkeit zu schaffen, sich artgerecht verhalten zu können. Im Folgenden möchte ich einige Tipps zur Haltung und Pflege von Hühnern im Allgemeinen und Deutschen Zwerg-Lachshühnern im Speziellen geben. Ich weise hierbei ausdrücklich darauf hin, dass es sich hierbei lediglich um meine Meinung und Erfahrungen handelt, die weder in Deutschland in dieser Form reglementiert, noch als einzige Denkweise anerkannt sind!

Stall und Auslauf:
Der neue Hühnerbesitzer sieht sich zwangsläufig mit der Frage konfrontiert, wo und wie er seine Hühner halten soll. Ich empfehle ein Außengehege mit integriertem Stall, welcher den Hühnern wind – und witterungsgeschützten Rückzugsraum bietet. Dieser sollte mindestens so groß sein, dass die gesamte Hühnerschar sowohl auf dem Boden, als auch auf der obligatorischen Sitzgelegenheit (Sitzstange)  Platz findet, ohne sich drängen zu müssen. Die vorgeschriebenen 550cm2 beim Wirtschaftsgeflügel können und dürfen für einen verantwortungsbewussten Tierhalter meiner Ansicht nach kein Maßstab sein. Der Stall sollte ebenfalls hell und zugluftfrei sein. Was die Größe betrifft hilft vielleicht die Fragestellung, ob der Stall auch dann noch zumutbar ist, wenn die Hühner ihn aufgrund von Eiseskälte im Winter oder kräftigem andauernden Regen mal ein paar Tage nicht verlassen. Ich selbst reiche einen Teil des Futters und das Trinkwasser im Stall, um es vor Witterungseinflüssen zu schützen. Im Stall befindet sich, falls sich Hennen in der Gruppe befinden, weiterhin eine Eiablagemöglichkeit. Das kann entweder ein schickes Legenest sein, oder einfach nur eine mit Einstreu Heu oder Stroh dick gepolsterte Obstkiste.
Die Größe des Auslaufs richtet sich ebenfalls nach der Hühnerzahl (oder die Anzahl der Hühner nach dem verfügbaren Auslauf!!!) Grundsätzlich kann der Auslauf natürlich nicht zu groß sein. Vorteilhaft ist es, sofern der Platz überschaubar ist, diesen zu umzäunen und mit einem Netz (Vogelschutznetz oder Laubnetz) gegen Greifvögel und Eier raubende Krähen zu sichern. Dies und das Eingraben von Bodenplatten unter dem Zaun hält zumindest größere räuber wie Habicht oder Fuchs davon ab, sich auf Kosten der Hühner den Bauch voll zu schlagen. Gegen Ratten, Marder, Wiesel und Co hilft leider nur eine klein-maschigere Umzäunung inkl. Boden (wie in einer Voliere), was leider in den seltensten Fällen großflächig erreichbar scheint, zumal sich die Bepflanzung dann häufig als schwierig erweist. Ein Zaun und das Spannen eines Netzes sind jedoch oft  möglich. Die Ausstattung des Geheges sollte die Möglichkeit zum Sandbad geben und den Hühnern Beschäftigungsraum bieten. Dazu gehört, dass die Hühner picken können. Gelangweilte Hühner neigen zu Verhaltensstörungen wie dem Federfressen. Sind dann erstmal die Federn weg und die Federkiele leuchten auf, kann es sogar zum Blutigpicken des betroffenen Huhnes und in Folge dessen zu bösen Entzündungen oder sogar zum Tod kommen. Optimal ist es, wenn die Hühner eine Grünfläche mit einigen ungiftigen Büschen oder kleinen Bäumen zur Verfügung haben, unter denen sie Schutz suchen können, wenn sie Gefahr aus der Luft vermuten. Zwar schützt sie gegebenenfalls das Netz, aber erklären Sie das mal Ihren Hühnern. Außerdem bieten die Büsche Schutz vor leichtem Regen oder spenden Schatten. Sieht man seine Hühner dann im Sommer faul und gemütlich in einer Mulde unter einem Busch ein Sandbad nehmen, kann man sich eines Lächelns häufig nicht erwehren.
Gruppengröße:
Die empfehlenswerte Gruppengröße ist recht umstritten. Eines steht jedoch fest: Natürlicherweise lebt ein geschlechtsreifer Hahn mit einer bis mehreren geschlechtsreifen Hennen zusammen.  Daher kann ich auch nur empfehlen, einen Hahn mit  Hennen zusammen  zu halten. Vielen ist die Vorstellung zuwider, einen Hahn zu halten. Zum einen weil er kräht (das lässt sich leider nicht ändern auch wenn man sich gut dran gewöhnen kann ;)) und zum anderen weil er angeblich agressiv wird. Und an dieser Stelle muss ich vehement widersprechen. Nicht jeder Hahn wird agressiv!!! Hähne unterschiedlicher Rassen und Blutlinien neigen auch unterschiedlich stark zu Agressivität. Deutsche Zwerglachshühner sind im Allgemeinen sehr brav und werden sehr zutraulich. Mein Stammhahn Friedrich zum Beispiel war NIEMALS agressiv gegen mich und auch sein Nachfolger Hermann ist lammfromm. Er würde mich nie angehen. Ebenso lieb ist er zu seinen Hennen. Wenn Sie hätten sehen können, wie rührend sich Friedrich um seine Küken gekümmert hat, Sie wären beieindruckt gewesen… Überhaupt würde ich niemals einen agressiven Hahn verpaaren, weil dies der Rasse widerspricht. was nützt mir der schönste Hahn, wenn ich nicht ohne Angst meinen Stal betreten kann? Das Aussehen ist nicht alles!!! Noch einmal möchte ich Partei für den Hahn ergreifen, denn er regelt die „Hackordnung“ in der Gruppe und schlichtet Streitigkeiten. Kurzum, ich kann Ihnen nur empfehlen, einen Hahn in der Gruppe zu haben. Was die Gruppengröße anbelangt, würde ich einem Hahn mindestens 2 und nicht mehr als 6-7 Hennen geben. Er muss sich schließlich um alle kümmern. Mehrere Hähne verstehen sich auch untereiander, sofern sie früh aneinander gewöhnt wurden und keine Hennen in der Nähe sind. Denn, wenn die Damen hinzukommen, werden auch die beste „Männerfreundschaften“ brüchig und es kommt zu Kokurrenzverhalten. Mehrere Hennen können gut gemeinsam gehalten werden, ohne Hahn kommt es aber häufiger zu Unruhen in der Gruppe.
 
Fütterung:
Neben sauberem und frischem Trinkwasser gehört auch das richtige Futter zur gesunden Hühnerernährung. Dabei ist der Energiebedarf unterschiedlicher Rassen und Altersgruppen stets verschieden. Wenn Sie einen großen Garten mit weitläufigem Auslauf zur Verfügung haben, werden Sie sich wenig Sorgen machen müssen, dass Ihre Hühner sich zu abwechslungsarm ernähren würden. Sie finden Grünzeug und allerlei Getier, scharren nach Würmern und haben damit schon einen Teil ihres Grundbedarfs an Nahrung gedeckt. Noch etwas „Fertigfutter“ und Körner und ab und an eine Möhre oder einen Apfel, und Ihre Tiere sind bestens versorgt. Ist der Platz jedoch beschränkt, ist die richtige Futterwahl umso wichtiger. Ich bin der Ansicht, dass ein gesundes Huhn nicht verfetten sollte, daher füttere ich kein Brot. Das halten jedoch viele Kollegen anders. Bei Ihnen gehört aufgeweichtes Brot zur täglichen Fütterung. Probieren Sie aus, was für Sie am besten ist. Achten Sie jedoch darauf, dass die Hühner nicht zu fett werden und ersetzen Sie nicht das Futter durch Brot allein… Das Fertigfutter können Sie in Mehlform oder gekörnt (als Pellets) kaufen. Ich empfehle die Pelletfütterung. Das liegt daran, dass unsere Lachse einen Bart haben und wenn dieser feucht vom Trinken oder Regen ist, würde das Mehl diesen verkleben. Die anderen Hühner „kommen zur Hilfe“ und picken die Reste weg. Leider kann dieses Verhalten das Federpicken begüntigen oder hervorrufen. Um das zu vermeiden, bekommen meine Hühner nur Pellets und Körner, aber kein Mehl (das bekommen Sie nur als wenige Tage alte Küken). Beim Futter achte ich darauf, dass es keine genveränderten Bestandteile (zB Mais oder Soja) enthält. Sie werden sich wundern, wo das alles drauf steht. Es ist zwar jedem selbst überlassen, aber wenn ich zB. die Eier meiner Hühner esse, möchte ich diesen kein genverändertes Futter füttern. Neben dem Alleinfutter bekommen meine Hühner noch Obst, zB Äpfel und auch schonmal eine Banane, aber alles in Maßen. Weiterhin klein gehäkselte Möhren mit etwas Öl (zur besseren Vitaminaufnahme) und zwischendurch mal ein paar Körner. Jungtiere bekommen allerdings anderes Alleinutter als Alttiere. Am besten, Sie folgen der Fütterungsempfehlung Ihres Futterherstellers. Achten Sie aber darauf, dass unsere Zwerglachse keine schweren Hühner sind. Das ist bei der Futterwahl wichtig. Ab und an ein paar Mehlwürmer als Leckerli sind auch nicht zu verachten. Und aus der Hand gefüttert, haben Sie Ihre Hühner innerhalb kürzester Zeit handzahm. Bei mir müssen Sie aufpassen, dass Sie nicht über die Hühner stolpern. Sie weichen uns nicht von der Seite in der Hoffnung auf was Leckeres…
Entwurmung:

Früher hieß es, wer Gurke und Zwiebel füttert und vielleicht zwischendurch etwas Oregano, der braucht nicht zu entwurmen. Das habe ich anders festgestellt. As leidvoller Erfahrung weiß ich nun, dass auch bei bestem Futter und eigentlich bester Gesundheit, eine regelmäßige Entwurmung notwendig ist. Ein Beispiel: Wie oben unter Fütterung beschrieben bekommen meine Tiere zu ihrem Fertigfutter regelmäßig Grünzeug, Obst und Gemüse. Trotzdem hatte ich in diesem Jahr erstmals Schwierigkeiten mit Wurmbefall. In unserer Vereinsanlage gibt es mehrere Zuchtgehege, in denen Hühner und Ziergeflüel verschiedener Rassen „wohnen“. Wechselgehege sind durch das begrenzte Platzangebot daher eher selten vorgesehen. So wird der Boden durch den ständigen Besatz natürlich „belastet“, selbst wenn regelmäßig der Kot entfernt und durchgeharkt wird. Eine gewisse Menge an Würmern im Huhn scheint normal zu sein. Geringe Mengen an Spulwürmern zB schaden den Tieren wohl eher wenig, sie kommen damit klar, wenn sie ansonsten gesund sind. Anders sieht es aus, wenn die Würmer Überhand nehmen, oder wenn Haarwurmbefall hinzukommt. Würmer sind Endoparasiten und leben auf Kosten ihres Wirtes (-> hier Huhn). So gibt es zum Beispiel Würmer, die Darm leben und dort Nährstoffe aufnehmen, die ja eigentlich für das Huhn bestimmt sind, Nisten sich allerdings Haarwürmer in der Darmschleimhaut und Darmwand an und zerstören sie diese. Die Folge ist eine löcherige (!) Darmwand. Die betroffenen Hühner fressen weiter und nehmen zusehends ab. Darmbakterien und teils sogar Darminhalt gelangen in den Rest des Organismus und schädigen oder vergiften ihn. Ein unbehandelter Haarwurmbefall endet tödlich!! Vielleicht wundern sich nun einige Züchterkollegen, warum ich „zugebe“, Würmer im Bestand gehabt zu haben – nun, weil es das Beste für die Tiere ist! Was nützt es bitte, immer alles tot zu schweigen, wenn man eine Krankheit oder Parasitenbefall hatte??? Das hilft dem Tier nicht im Geringsten.

Was aber kann man gegen die Würmer tun? Ganz einfach alle 3 Monate mit einem beim Tierarzt erhältlichen Entwurmungsmittel entwurmen. Bewährt haben sich Concurat (mit Wartezeit auf da Fleisch) und Solubenol (längere Eingabezeit, dafür ohne Wartezeit auf das Fleisch). Diese beiden Entwurmungsmittel wirken auch bei Haarwürmern.
 
Impfungen:
Jeder Hühnerhalter in Deutschland ist VERPFLICHTET, seine Hühner regelmäßig gegen die Newcastle Seuche (engl. Newcatle Disease =ND) zu impfen. Wer das nicht tut, macht sich im Falle eines Seuchenausbruchs strafbar und kommt für die enstehenden Schäden auf. Den Impfstoff bieten zB Tierärzte oder Geflügelzuchtvereine als Sammelimpfungen an. Der Impfstoff wird meist über das Trinkwasser verabreicht und ist für die Tiere völlig ungefährlich. Allerdings darf mancher impfstoff erst ab dem Alter vo drei Wochen verabreicht werden. Bitte erkundigen Sie sich vorher.
Alle anderen verfügbaren Impfungen sind in Deutschland für Hobbyhalter freiwillig und es sollte jeder für sich entscheiden, was er/sie für sinnvoll erachtet.
Unsere Tiere werden mit einem ND/ IB Kombi-Lebendimpfstoff (MA5 + Clone30) geimpft. So sind sie gegen Infektiöse Bronchitis und die Newcastle-Krankheit (atypische Geflügelpest) geschützt. Des Weiteren impfen wir (neuerdings) gegen Marek (ein sehr ansteckendes Herpes-Virus, gegen das es keine Behandlungsmöglichkeit gibt). Marek tritt in verschiedenen Formen auf. Klassisch führt es zu einer Lähmung durch Nervenveränderung der Tiere. Es gibt aber auch eine tumoröse Form. Zwar hatten wir bisher, Gottlob, keine Schwierigkeiten mit dem Virus, aber haben im Bekanntenkreis von den grausamen Folgen im Falle eines Ausbruchs gehört.  Da es im Falle eines Ausbruches keine Hilfe gibt, haben wir uns entschieden, von nun an all unsere Küken gegen Marek zu impfen. Geplant ist ebenfalls eine Impfung gegen ILT (Infektiöse Laryngotrachetitis), also eine Kehlkopf-Luftröhrenentzündung der Jungtiere.
Es sei nochmal darauf hingewiesen, dass niemand dem hier beschriebenen Impfprogramm folgen muss. Bis auf die Newcastle-Impfung sind alle Impfungen freiwillig. Man kann auch noch viel mehr impfen. Jeder sollte selbst entscheiden, wie hoch er das Risiko einschätzt, dass seine Tiere erkranken. Dennoch sei darauf hingewiesen, dass manche Erkrankungen sehr schmerzhaft und unheilbar verlaufen und diese durch eine Impfung verhindert werden könnten. Tiere, die häufig Ausstellungen besuchen oder mit solchen Tieren in Kontakt kommen, sind sicherlich gefährdeter als solche, die den Garten ihres Besitzers nie verlassen und keinen Kontakt zu Ausstellungstieren oder deren Haltern haben…
 
Ungeziefer:
Achten Sie auf gute Stallhygiene und kontrollieren Sie regelmäßig Stall und Tiere auf Milbenbefall. Diese Plagegeister können Ihren Hühnern übel zusetzen. Vorbeugend können Sie etwas zB Diatomeenpulver/Silgur im Stall verteilen. Das schadet den Hühnern nicht, ist natürlich und wirkt recht zuverlässig. Außerdem hilft es, den Stall mit ungiftiger Arylfarbe weiß zu streichen (man sieht die Plagegeister dann leichter) und wenig Lücken und Löcher darin zu haben, da sich Milben und ähnliches Ungeziefer gern in Ritzen und Löchern verstecken. Sollten bereits Milben vorhanden sein, kann man den Stall ausspritzen (zB mit einem Spritzmittel von Ewabo). So werden die adulten Milben abgetötet. Die Mittel wirken jedoch nicht gegen die Eier, daher muss man im Abstand von 5-7 Tagen nochmals spritzen.

Comments are closed.